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Disclosure

Beton, Leinwand, gepolsterte Leinwand
je 202 x 94 x 3 cm
1994

Exzerpt aus dem Vorwort im Katalog Dimensions of the Surface:

Dimensionen: Assoziationen zum Werk von Nita Tandon

[…] Als ich in Tandons Atelier saß, um sie über ihre Arbeit zu befragen, saß ich einer ihrer Arbeiten gegenüber: einer in die Wand eingebauten Türe. Wenn nun das hier vorliegende, das Werk von Nita Tandon dokumentierende Buch Dimensions of the Surface (Dimensionen der Oberfläche) heißt, so entspricht die Türe in der Wand diesem Titel. Diese Türe besteht nur aus ihrer eigenen Oberfläche, man kann sie nicht öffnen und daher auch nicht schließen. Als Kunstwerk ist sie ostentativ den üblichen Verwertungen entzogen, und das gilt leider auch in Bezug auf die hermeneutischen Verwertungen: Die Türe in der Wand lädt weder dazu ein, eine Meinung über sie zu sagen, noch verhindert sie jeglichen Interpretationsaufwand.

Seit meinem Philosophiestudium habe ich aber einen hermeneutischen Tick, einen leichten Zwang zur Auslegung des ohnedies Sichtbaren, wenn sich die Gelegenheit dafür bietet. Die Türe oder zum Beispiel auch die Brücke, das sind doch Metaphern – und keine kleinen, sondern solche von größten Dimensionen: eintreten können, ausgeschlossen sein … Die Türen stehen einem offen, heißt das Idiom. Aber manchmal bleibt eine Türe auch geschlossen.

Franz Kafka war Jurist, und als Dichter ist er wohl der berühmteste Gegner des Rechtsoptimismus, der einem weismachen will, dass das Recht allen offensteht: „Vor dem Gesetz“, heißt es in einer Parabel Kafkas, „steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, dass er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen. ,Es ist möglich‘, sagt der Türhüter, ‚jetzt aber nicht.‘“ Mit dieser Zeitangabe, die den Eintritt in Aussicht stellt, ihn in die Zukunft verlegt, ist der Anfragende auf eine in ihrer Art seltsame, nämlich auf Passivität beruhende Tätigkeit verwiesen: auf das Warten. Ich besitze eine Postkarte mit dem Konterfei Karl Valentins und dem Spruch des mit Kafka geistesverwandten Komikers: „Zuerst“, heißt es da, „wartete ich langsam, dann immer schneller.“ Da einem die Zeit davonläuft, muss man eben immer schneller warten. Und der Mann bei Kafka wartete und wartete, aber das kann ein Mensch ja nicht unbegrenzt, weil ihm der Tod immer näher und näher kommt. Als Sterbender hat der Mann in Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“ endlich eine Idee, mit welcher Frage er draufkommen könnte, wie ihm hier mitgespielt wird: „‚Alle streben doch nach dem Gesetz‘, sagt der Mann, ‚wieso kommt es, dass in den vielen Jahren niemand außer mir Einlaß verlangt hat?‘ Der Türhüter erkennt, daß der Mann schon an seinem Ende ist, und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: ‚Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.‘“ […]