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Automats

Beton
40.5 x 46.5 x 2 cm
2004

Die Umkehrung von Ebenen, der Aspektwechsel, das Erschaffen von Dingen, die zwei Sichtweisen erlauben, sind der Bereich, in dem sich Nita Tandons Arbeiten bewegen, egal, welchen Materials oder Mediums die Künstlerin sich bedient. Konsequent arbeitet Tandon nicht analytisch, indem sie den Blick nicht auf Themen oder Inhalte lenkt, sondern auf den Blick selbst, auf unsere Wahrnehmung.

Auch die Objekte der Serie Automats – die semantische Ambiguität des Titels ist bereits Teil ihrer Erscheinungsform – reihen sich in dieses Konzept ein. Es handelt sich um Betonabgüsse von
Automatten, jenen Gummiunterlagen, die wir während des Sitzens und Fahrens im Auto kaum zu Gesicht bekommen. Die Abgüsse sind die Negative dieser Matten, und sie hängen vor uns an der Wand. Alle Eindrücke einer Oberfläche, die wir sonst nicht erfühlen, spiegeln sich negativ im Betonabguss. Diese Abwesenheit einer haptischen Ebene wird durch das Visuelle ersetzt, das durch die Dreidimensionalität des sich anfangs als falsches Bild darstellenden Objekts eine Vorstellung davon zu geben vermag.

Zu Tandons frühen Werken gehören „Bilder“ (und ich versehe diesen Begriff hier bewusst mit Anführungszeichen), die Malerei und Betonelemente einsetzen, Scheinperspektiven zeigen und die Aporien der Frage, ob etwas zwei- oder dreidimensional sei, sinnlich erfahrbar machen. Das Paradoxon ist implizit in diesen Arbeiten vorhanden. Später weitet Tandon es allerdings konsequent aus, indem sie den Raum einbezieht. Die Reihe mit dem Titel Disclosure besteht aus Objekten, die wie Türen aussehen – oder Türen sind –, Scheintüren jedenfalls, denn sie sind ihrer Funktion beraubt, und sie fügen sich in den Raum, anstatt diesen wie üblich als Fremdkörper, den das Exponat darstellt, zu behaupten.

Automats ist ein weiterer Schritt in diese Richtung, denn die Objekte beinhalten das Element der Serialität. Tandon verwendet verschiedene Arten von Sand und multipliziert denselben Abguss mit verschiedenen Qualitäten. Auf diese Weise entsteht durch den Abdruck dieses Gegenstands, der das Triviale poetisch macht, eine Reihe, die das Prinzip sofort wieder ins Gegenteil verkehrt, indem sie das Poetische trivialisiert.

Daniel Wisser 2014